„Am Berg kannst du dich nicht verstecken”. Anekdoten und Kurioses über einige der legendärsten Aufstiege Italiens

„Am Berg kannst du dich nicht verstecken“, sagte einst Eddy Merckx, der erfolgreichste Radrennfahrer aller Zeiten. In dieser Aussage ist alles enthalten, was den Rennradsport ausmacht, ein Sport, der – mehr als jeder andere – einem neben der Fähigkeit, große Strapazen auszuhalten, auch viel innere Kraft abverlangt. Jener Antrieb, der von innen kommt, ein Pedaltritt nach dem anderen, Serpentine um Serpentine, wenn die Straße ansteigt und den Himmel zu wittern scheint. Der Schmerz lässt die Anziehungskraft zwischen Fahrer und Berg nur noch wachsen. Es ist die ewige Herausforderung an sich selbst, das Adrenalin des Gipfels und die magische Schönheit der Unterfangen der großen Radchampions.

In diesem Abschnitt haben wir einige der legendärsten Aufstiege Italiens zusammengestellt: Strecken, die in die Geschichte des Radsports eingegangen sind, und solche, die der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind – Aufstiege, denen ein jeder Radsportfan mindestens einmal im Leben mit ein paar Schweißtropfen Tribut gezollt haben sollte.


Croce d’Aune

Der Croce d’Aune, ein Gebirgspass in den Dolomiten von Belluno, ist mit dem von Ponte Oltra zum Croce d’Aune führenden Aufstieg (mittlere Steigungsrate von 10 % und Spitzen von über 16 %) in den Giro d’Italia 2019 eingebunden worden. Bekannt geworden ist der Croce d’Aune im Jahre 1927 durch Tullio Campagnolo, der den Gran Premio della Vittoria verlor, weil es ihm aufgrund der vor Kälte steifen Finger nicht gelang, die Flügelmuttern seines Hinterrades zu lösen und damit den vor dem Anstieg erforderlichen Wechsel der Übersetzung vorzunehmen. Damals gab es noch keinerlei Schaltung, sondern lediglich eine Radnabe mit Doppelritzel, die je nach Straßenverlauf von Hand gewechselt werden musste. Nachdem Tullio als Vierter durchs Ziel gegangen war, erkannte er intuitiv, dass „hinten etwas geändert werden musste“, und ersann so den Fahrrad-Schnellspanner, die erste große Erfindung aus dem Hause Campagnolo.


Monte Sante Marie

Den Aufstieg von Monte Sante Marie di Asciano (bei Siena) zu bewältigen, ist eine schweißtreibende und staubige Angelegenheit mit dem Flair und der Radsportatmosphäre vergangener Zeiten. Die dank der L’Eroica (der Mutter aller historischen Radrundfahrten) vor der Asphaltierung bewahrte 11,5 km lange Schotterstrecke mit Steigungen von bis zu 18 % ist sowohl körperlich als auch technisch eine große Herausforderung. Die härtesten Steilhänge bezwingt man nur mit dem richtigen Pedaltritt und einer korrekten Lenk- und Sitzposition, denn die Steigungsraten und der Schotterboden machen es nicht möglich, „aus dem Sattel zu gehen“. Seit 2007 zählt der Aufstieg des Monte Sante Marie dank Strade Bianche, dem „südlichsten Nordklassiker Europas”, zur Profi-Rundstrecke. 2017 ist diese Schotterstrecke dem dreimaligen Sieger des Rennens Fabian Cancellara gewidmet worden.


Laghi di Cancano

Der im Vergleich zu den großen lombardischen Pässen Mortirolo und Gavia weniger bekannte Veltliner Anstieg zu den beiden Seen wird 2020 in den Giro d’Italia eingebunden und weist Zahlen auf, die große Emotionen und Herausforderungen versprechen. De facto sind es 21 Haarnadelkurven, die sich von Isolaccia Valdidentro (bei Bormio) den Berg bis zu den Seen hinaufschlängeln und dabei auch die berühmten Wachtürme Torri di Fraele passieren. Diese rund 14 km lange Aufstiegsstrecke weist einen regelmäßigen Verlauf auf und ist damit als durchaus machbar zu bezeichnen. Angesichts der Länge und der mittleren Steigungsrate von 6,9 % sollte man der Strecke allerdings mit dem nötigen Respekt und den richtigen Übersetzungen begegnen – zumindest Normalsterbliche wie wir es sind!

 

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What view! 🏔 #laghidicancano #climbing #training #bestview #bestplacestogo

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Tiffi

Der durch den Granfondo Nove Colli weltberühmt gewordene Aufstieg zum Tiffi ist eine Legende unter den Radsportamateuren und -profis, die im romagnolischen Binnenland trainieren und zum Rennen antreten. Als fünfter von neun Anstiegen der längsten Strecke des berühmtesten Granfondo Italiens, ist der Aufstieg des Tiffi 3 km lang und weist eine mittlere Steigungsrate von 5,8 % mit Spitzen bis 16 % auf. Sollten die Zahlen nicht sonderlich beeindrucken, braucht man sich nur in den Sattel zu schwingen, die mehr als 100 km des offiziellen Streckenverlaufs der Nove Colli zu fahren, die Aufstiege Polenta und Barbotto zu meistern und sich anschließend an den Tiffi zu machen, um zu begreifen, warum die heimischen Fahrer diesem Aufstieg den Spitznamen „Tiffi, das Aas“ angehängt haben.


Peri-Fosse

In den Hügeln des Ostufers des Gardasees gibt es einen Aufstieg, der unter den heimischen Radsportfans und den Profifahrern, die sich hier zu Saisonbeginn zum Training einfinden, zu einer Legende geworden ist. Der als die Neunerprobe bekannte Aufstieg von Peri-Fosse zählt – ja genau! – 9 Serpentinen, führt über eine Distanz von 9 km, gewinnt an 900 Höhenmetern und weist eine mittlere Steigungsrate von 9 % auf. Diese Ziffern wie auch die Steilhänge, die Neigungen von bis zu 17 % erreichen, haben diese Strecke zum Trainingsrevier zahlreicher Rennradfahrer gemacht, die sich hier seit Jahren mit Watt-, BPM- und Sekundenzahlen herausfordern, um den Rekord auf diesem Straßenabschnitt zu halten. Hier muss man Kraft in den Beinen haben, und der Aufstieg flößt wirklich Respekt ein.

 

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Cipressa und Poggio

Die 1982 bzw. 1961 in die Mailand-Sanremo aufgenommenen Aufstiege Cipressa und Poggio waren für das Ausgehen zahlreicher Auflagen der Classicissima di primavera von entscheidender Bedeutung. Obgleich sie nicht sonderlich anspruchsvoll sind, werden sie von den Profis mit einer gewissen Strategie angegangen. Die Cipressa ist 5,6 km lang und weist eine durchschnittliche Steigungsrate von 4,1 % auf, wohingegen der 3,7 km lange Poggio mit seiner mittleren Neigung von knapp 4 % auf dem Abschnitt mit 8 % Steigungsrate den Unterschied macht. Hier anzugreifen ist unerlässlich, um auf den letzten beiden Abfahrtskilometern vor der Einfahrt ins Ziel im Zentrum von Sanremo den nötigen Vorsprung herauszuholen. Einem gewissen Sean Kelly gelang es 1992, Widersacher Moreno Argentin bergab einzuholen und ihn im Endspurt zu schlagen – eine der spannendsten Verfolgungsjagden in der Geschichte des Radsports!

 

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Muro di Sormano

Dieser berühmte Streckenabschnitt der Lombardei-Rundfahrt – des zum Saisonende stattfindenden und auch als Klassiker der fallenden Blätter bekannten Rennens – gehört zu den härtesten Passauffahrten des internationalen Radsports. Es handelt sich dabei um 1.920 m mit Steigungsraten von bis zu 25 %, die am Ende des von Maglio zur Colma di Sormano führenden Aufstiegs zu meistern sind (ein Abschnitt mit einer Gesamtlänge von 9 km und einer durchschnittlichen Steigungsrate von 9 %). Sollte die Aussagekraft der Zahlen nicht ausreichen, sind womöglich die Worte eines „gewissen” Gino Bartali überzeugender, die auf dem Asphalt von Sormano geschrieben stehen: „Vorn ein 50-er und 42-er, hinten 24, 17, 19, 23, 26, denn dies hier ist ein Aufstieg, der eine Übersetzung von 42 zu 26 erfordert. Es gibt kein Entkommen; knallhart die erste Sprintetappe praktisch aus dem Stand heraus, denn sie kommt gleich nach einer Haarnadelkurve. Sehr kräftezehrend der gut zwei Kilometer lange Aufstieg, denn er weist scharfe Kurven und furchterregende Steilabschnitte auf. Die letzte Sprintetappe ist gnadenlos.“

 

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Climbing Muro di Sormano: about 2 km long, the climb averages 17% with sections at close to 25%. One of my faves for sure! ~ 📸 Arno

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