Die härtesten Anstiege des Giro d’Italia

Überzeugen Sie sich selbst … Ihnen stehen 7 zur Wahl

Nach einer sorgfältigen Analyse haben wir einige der schwierigsten Anstiege des Giro d’Italia ausgewählt. Legendäre Orte, wo denkwürdige sportliche Unterfangen bestritten worden sind, unter der prallen Sonne, im Regen oder, wie es jüngst der Fall war, bei Schneefall. Sie zu bezwingen, ist nicht unmöglich, aber ganz sicher sehr mühevoll.

Stilfser Joch

Ort: Provinz von Sondrio (Lombardei)
Länge: von Prato 24,3 km
Maximale Neigung: 14%
Mittlere Neigung: 7,45%
Höhenmeter: 1.808 m
Höhe: 2.758 m ü.d.M.

Bis 48 zu zählen, ist Ihnen noch nie so anstrengend vorgekommen. Ja, mit seinen 48 Kehren ist das Stilfser Joch, alias „Cima Coppi” („Coppi-Gipfel”), der höchste Gebirgspass, der in der Geschichte des Giro d’Italia jemals erreicht wurde. Der Aufstieg misst 24,3 km und führt durch zwei Nationalparks, den Schweizer und den des Stilfser Jochs, aber das Erklettern dieses Berges wird Ihnen wie ein Weg ohne Ende hoch in den Himmel erscheinen.

Und wenn Sie sich während des Aufstiegs sterbenselend fühlen, keine Sorge, genau so hat sich auch Fausto Coppi gefühlt.

Colle delle Finestre

Ort: Provinz von Turin (Piemont)
Länge: von Susa 18,6 km
Maximale Neigung: 14%
Mittlere Neigung: 9,1%
Höhenmeter: 1.692 m
Höhe: 2.178 m ü.d.M.

Länge, hohe mittlere Neigung und Schotter sind die teuflische Mischung des Colle delle Finestre. Die im Naturpark Orsiera-Rocciavrè gelegene ehemalige Militärstraße, die bis vor wenigen Jahren mit dem Fahrrad unbefahrbar war, zieht sich wie eine gleichmäßige Rampe mit durchschnittlichen Neigungen von 9 % nach oben. Die ersten 11 km verlaufen auf Asphalt, die letzten 8 komplett über Schotter, womit dieser Anstieg an den Radsport früherer Zeiten erinnert, ein Hauch von Heldentum, das Reminiszenzen an die Unterfangen der Radsportmeister der Vergangenheit wachwerden lässt. Führen Sie ein paar Fahrradschläuche als Ersatz mit sich, der Schotter könnte ein paar unangenehme Überraschungen bereithalten.

Col Agnel

Ort: Provinz von Cuneo (Piemont)
Länge: 22 km
Maximale Neigung: 14%
Mittlere Neigung: 6,5%
Höhenmeter: 1.500 m
Höhe: 2.744 m ü.d.M.

Der Pass Col Agnel ist nicht sonderlich berühmt und wurde erst in jüngster Zeit entdeckt. Um zum Gipfel zu gelangen, ist ein gutes Konditionsniveau unerlässlich, vor allem aber bedarf es der geistigen Präparation: die letzten 10 km sind zermürbend, mit konstant zwischen 9 und 10 % schwankenden Neigungen, deswegen macht er in Sachen Härte gewiss keine schlechte Figur.

Der Aufstieg beginnt in Casteldelfino und vollzieht sich in Gegenwart von imposanten Gipfeln, unter anderem den Monte Viso. Sich im „Zwiebellook“ zu kleiden, ist Pflicht, die klimatischen Bedingungen ändern sich häufig und schlagartig. Vergessen Sie während des Aufstiegs nicht die letzte Stärkung in Pontechianale, von hier bis zum Gipfel gibt es nichts mehr und ein Extraschluck Wasser wird sich als nützlich erweisen.

Blockhaus

Ort: Zwischen den Provinzen von Chieti, L’Aquila und Pescara (Abruzzen)
Länge: von Lettomanoppello 22 km
Maximale Neigung: 9,4%
Mittlere Neigung: 7,3%
Höhenmeter: 2.038 m
Höhe: 2.142 m ü.d.M.

Im Herzen des Nationalparks Majella befindet sich einer der schwierigsten Anstiege nicht nur Mittel- und Süditaliens, sondern Europas: die Rede ist vom Blockhaus. Das 1967 in den Giro d’Italia aufgenommene Blockhaus ist ein Blindaufstieg: nur ein Hang, aber drei Aufstiegsmöglichkeiten (von Lettomanoppello, von Roccamorice und von Fara Filiorium Petri).

Die wahre Tücke dieses Berges ist der Höhenunterschied: rund 2.000 Meter auf 22 km, es handelt sich somit um einen anspruchsvollen, fast unergründlichen Anstieg, der für epische Unterfangen gut ist, wie den ersten Sieg beim Giro d’Italia von Eddy Merckx . Hier oben hat der Kannibale die Welt wissen lassen, dass ihn Anstiege nicht schrecken.

Die erreichten Höhenmeter sind zweifellos ein wichtiger Indikator, um die Härte eines Anstiegs zu beurteilen, aber nicht der einzige. Auch einige Anstiege mit weniger als 2.000 m sind kein Kinderspiel: Mortirolo und Zoncolan sind echte Schreckgespenster.

Kronplatz

Ort: Autonome Provinz Bozen
Länge: vom Furkelpass 5,2 km
Maximale Neigung: 24%
Mittlere Neigung: 10%
Höhenmeter: 510 m
Höhe: 2.273 m ü.d.M.

Wer hat behauptet, dass man nicht auf einer Skipiste biken kann? Dies ist der Fall auf der Straße, die vom Furkelpass nach Kronplatz führt und die gänzlich aus einem umweltfreundlichen Spezialbelag aus Kies und Beton realisiert worden ist. Wenn Ihnen die Aufstiegskilometer wenig erscheinen, keine Angst, die unmöglichen Neigungen werden Sie schnell eines Besseren belehren. Den Gipfel zu erklimmen, ist ein Unterfangen, zu dem nur wenige Zugang haben, auf dem letzten Kilometer erreicht die Straße Steigungen von bis zu 24 %. Wenn Sie nicht topfit sind, empfehlen wir Ihnen, das Gebiet lieber mit der Gondelbahn zu erreichen, so wie es die Skifahrer für gewöhnlich halten.

Mortirolo

Ort: Provinz von Sondrio (Lombardei)
Länge: von Mazzo 12,5 km
Maximale Neigung: 18%
Mittlere Neigung: 10,4%
Höhenmeter: 1.300 m
Höhe: 1.854 m ü.d.M.

Auf die letzten Energiereserven zurückzugreifen, um die 1.854 m des Mortirolo zu erreichen, ist obligatorisch, denn das Ziel besteht nicht so sehr darin, den Gipfel zu erreichen, sondern vor allem, ihn zu erreichen, ohne den Fuß auf den Boden zu setzen. Gerade einmal 1.300 m Höhenunterschied auf ca. 12 km von Matsch im Veltlin aus, aber mit mörderischen Neigungen. Ein Kampf gegen die Schwerkraft, der von Schweiß und Strapazen zeugt und an übermächtige Heldentaten erinnert, wie die von Marco Pantani im Jahr 1994, bis dato namenlos, der alle Widersacher abhängte und die Etappe Meran-Aprica gewann.

Merken Sie sich, dass es zwischen dem dritten und dem neunten Kilometer, mit mittleren Neigungen von 12,3 %, keinen Meter Atempause geben wird. Die einzige Möglichkeit, diese Herausforderung gegen den Veltliner Giganten zu Ende zu bringen, besteht in der Geisteskraft, denn der Anstieg geht wirklich höllisch in die Beine.

Zoncolan

Ort: Provinz von Udine (Friaul-Julisch Venetien)
Länge: von Ovaro 10,1 km
Maximale Neigung: 20%
Mittlere Neigung: 12%
Höhenmeter: 1.215 m
Höhe: 1.750 m ü.d.M.

Im Friaul-Julisch Venetien weiß man nur zu gut, was psychische Folter ist: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren” und andere Zitate von Dante heißen die Fahrer auf den ersten Rampen des Monte Zoncolan, alias Kaiser, willkommen. Die ersten 2 km sind nur ein Vorgeschmack auf das, was Sie bei diesem Anstieg erwartet.

Nachdem Sie den Ort Liariis hinter sich gelassen haben, beginnt ein sehr langer Abschnitt mit schrecklichen Neigungen (6 km, mittlere Neigung von 15 % und Spitzen von 22 %), der durch lange Geraden und wenige Kehren geprägt ist. Der Instinkt sagt einem, im Zickzack zu fahren, um sich die Beschwerden etwas zu erleichtern. Erst um den neunten Kilometer herum werden die Neigungen milder, geben Sie sich aber nicht zu sehr der Hoffnung hin, denn auf dem letzten Kilometer erwarten Sie drei ungepflasterte und unbeleuchtete Tunnel. Nachdem Sie den letzten hinter sich gelassen haben, trennen Sie nur noch vier steile Spitzkehren vom Pass.

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